Inhalt

Titelblatt,außen Titelblatt, innen Rückblatt, innen Rückblatt, außen

1.

Begegnung mit dem "Regenmännchen"

2.

Lebensweise des Feuersalamanders.

2.1.

Entwicklungszyklus

2.2.

Ansprüche an den Lebensraum

2.2.1.

Ausgewachsene Feuersalamander

2.2.2.

Feuersalamanderlarven

2.2.3.

Wissenswertes zur Biologie

3.

Verbreitung in der gesamten Region Oberes Elbtal

3.1.

Übersicht

3.2.

Verbreitung in der Sächsischen Schweiz

3.3.

Verbreitung in Dresden und Umgebung

4.

Gefährdungen

4.1.

Abflussextreme der Bäche

4.2.

Versauerung der Bäche

4.3.

Forstwirtschaft

4.4.

Fischereiliche Bewirtschaftung

4.5.

Ausbau und Begradigung der Fließgewässer

4.6.

Abwasserbelastung

4.7.

Straßenverkehr, Bebauung

4.8.

Zusammenfassung der Gefährdungssituation

5.

Schutzmaßnahmen

6.

Zusammenfassung und Wertung

7.

Literaturverzeichnis und Datenquellen


Danksagung
Herrn Holm Riebe (Nationalparkverwaltung), Herrn H. Ballmann (SMUL) sowie Herrn Dr. Ulrich Zöphel (LfUG) sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.

Impressum

ã Dresden, 2001 ISSN 1617 - 0598
NSI Projektberichte 1/2001 : Der Feuersalamander Lebensweise, Verbreitung, Gefährdung und Schutz in der Sächsischen Schweiz und im Dresdner Raum

Herausgeber:

AG Naturschutzinstitut Region Dresden e.V. (NSI)
http://www.naturschutzinstitut.de

Albertstraße 24, D - 01097 Dresden
Tel.: 0351 / 8020033 Fax: 0351 / 8020034
e-Mail:
nsi-dresden@gmx.de

1. Auflage:

Redaktion: Dr. J. Lorenz

Autoren: J. Mehnert, Rückseite: H. Riebe

Grafiken:

NSI, Dr. J. Lorenz, G. Becker, Friedrich Rau

 

Titelbild:

Feuersalamander (Salamandra salamandra) aus dem Wachwitzgrund im Osten von Dresden. Der Fleckenzeichnung nach zu urteilen, gehört das Tier zur Mischform zwischen der osteuropäischen, unregelmäßig gefleckten Unterart (ssp. salamandra) und der westeuropäischen Unterart (ssp. terrestris), die durch ein Längsstreifenmuster gekennzeichnet ist.

Rückseite:

Typischer Lebensraum des Feuersalamanders im Riesengrund nordwestlich von Hohnstein in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz und Portrait eines Alttieres von diesem Fundort

Alle Rechte beim Herausgeber. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts, insbesondere Vervielfältigungen, Bearbeitungen und Übersetzung, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Herausgebers.

1. Begegnung mit dem "Regenmännchen"

Wenn wir durch bewaldete Bachtälchen des Hügel- und Berglandes wandern, bekommen wir einen charakteristischen Bewohner dieser Lebensräume nur selten zu sehen: den Feuersalamander.

Dieser auffällig schwarz-gelb gefärbte, bis 20 cm große Schwanzlurch ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Salamander verlassen ihre Verstecke in Bodenhohlräumen oder unter Laub, Steinen, Wurzeln und Totholz nur bei hoher Luftfeuchtigkeit. Lediglich bei regnerischem Wetter, besonders nach einer längeren Trockenheitsperiode kann man den heimlichen Gesellen auch am Tage beobachten. Im Volksmund werden diese Tiere deshalb auch "Regenmännchen" genannt.

Der Name "Feuersalamander" kann vielleicht auf eine überlieferte Sage aus dem Schwarzwald zurückgeführt werden. Dort versteckten sich früher die Salamander in den am Haus aufgeschichteten Holzscheiten. Dies waren ideale Überwinterungsplätze. Wurde das Brennholz ins Haus gebracht und neben den Ofen gelegt, weckte die Hitze die schlafenden Tiere auf und sie nahmen reiß aus.

 

2. Lebensweise

2.1. Entwicklungszyklus

Feuersalamander überwintern in frostfreien Bodenhohlräumen, beispielsweise in Kleinsäugergängen, unter Baumstümpfen und Steinen sowie in tiefen Felsspalten und auch in alten Bergwerksstollen.

Sie verlassen bereits im zeitigen Frühjahr (Februar, März) ihre Winterquartiere und gehen auf Nahrungssuche. Die Paarung erfolgte bereits im Sommer des vorhergehenden Jahres. Trächtige Weibchen wandern zielstrebig zum angestammten Laichgewässer, das mehrere hundert Meter vom Landquartier entfernt sein kann. Hauptlaichzeit ist im April und Mai.

Die Weibchen setzen im Mittel etwa 30 Kiemenlarven ab, die bei der Geburt 25-35 mm lang sind und bereits voll entwickelte Beine haben (Abb. 1). Die Larven sind grau-gelblich gesprenkelt und weisen an den Ansätzen der Vorder- und Hinterbeine jeweils einen gelblichen Fleck auf. Die Larven beginnen bald nach der Geburt mit der Nahrungsaufnahme. Die Entwicklungsphase im Gewässer dauert zumeist etwa vier Monate, in dieser Zeit wachsen die Larven und beginnen den Gestaltwechsel (Metamorphose) zum Jungsalamander. In den letzten Wochen der Lebensphase im Gewässer bilden sich die Außenkiemen und der flache Hautkamm am Schwanz zurück und die unauffällige Färbung wandelt sich zur auffälligen schwarz-gelben Zeichnung. Die jungen Salamander verlassen das Larvengewässer mit einer Länge von etwa 5-6 cm und suchen ihre Landbiotope im Umfeld der Larvengewässer auf. Ab dem sechsten (selten ab dem fünften) Lebensjahr sind Feuersalamander fortpflanzungsreif.

Die Weibchen wandern nach dem Absetzen der Larven zurück in ihre Sommerlebensräume. Wanderungsaktivitäten der Männchen erfolgen nur innerhalb der Landbiotope im Zusammenhang mit der Paarungsaktivität. Sommer- und Winterquartier der jungen und erwachsenen Salamander können identisch sein, ein Teil der Tiere sucht aber Ende Oktober bis Ende November spezielle Überwinterungsplätze auf.

Abb. 1 : Entwicklungsphasen des Feuersalamanders (Abmessungen entsprechen etwa der natürlichen Größe der Tiere)

Zum langfristigen Erhalt einer Feuersalamanderpopulation muss nach Untersuchungen aus Thüringen (Seifert 1991) die Anzahl der Larven, die die vollständige Umwandlung in Jungsalamander erreichen, jährlich etwa 70 % der Anzahl erwachsener Salamander betragen. Als eine individuenreiche, stabile Population können mehrere Hundert Alttiere angesehen werden. Demnach müssten sich jährlich mindestens 100 Jungsalamander entwickeln.

2.2. Ansprüche an den Lebensraum

2.2.1. Ausgewachsene Feuersalamander

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in Mitteleuropa nach Erkenntnissen aus Versteinerungsfunden seit über einer Million Jahren beheimatet. Während des Wechsels der Eis- und Warmzeiten kam es mehrfach zu Rückzügen und Wiedereinwanderungen.

Der Feuersalamander hat sich bei uns eng an den Lebensraumkomplex der quellnahen Wald-Bach-Biotope angepasst. Die Jung- und Altsalamander leben hauptsächlich in feuchten bis frischen Laub- und Laubmischwäldern des Hügel- und Berglandes. Die Entfernung der Landquartiere zum Larvengewässer beträgt meist weniger als 300 m.

 

2.2.2. Feuersalamanderlarven

Die Larven des Feuersalamanders benötigen kühles und sauerstoffreiches Wasser mit relativ geringer Strömung. Deshalb leben sie vor allem in strömungsberuhigten Bachbereichen vor und hinter Strömungshindernissen, wie z. B. im Bach liegenden Felsbrocken, Steinen und Schotter, Stämmen und Ästen sowie ausgespülten Wurzelhohlräumen im Uferbereich usw. Hinsichtlich der abiotischen Faktoren bieten den Salamanderlarven besonders solche Bäche günstige Bedingungen, die sich durch geringes Gefälle und großen Strukturreichtum auszeichnen.

2.2.3. Wissenswertes zur Biologie

Zum Beutespektrum des Feuersalamanders gehören vor allem Regenwürmer, Schnecken und Bodenarthropoden (Asseln, Spinnen, Hundert- und Tausendfüßer, Insekten) (Thiesmeier & Günther 1996).

Die Nahrung der Salamanderlarven besteht aus verschiedenen kleinen Wirbellosen, z.B. Bachflohkrebsen sowie kleinen im Wasser lebenden oder ins Wasser gefallene Insekten und deren Larven (Thiesmeier & Günther 1996).

Bei Belästigung sondern Feuersalamander durch ihre Hautdrüsen eine weiße, giftige, schaumige Substanz aus, die bei noch unerfahrenen Fressfeinden (junge Igel und Vögel) auf das Nervensystem wirkt und zu Lähmungen und Atemstörungen führen kann. Durch diese Giftigkeit sowie die auffällige Warnfärbung hat der Feuersalamander kaum natürliche Feinde (Fröhlich et al. 1987).

Feuersalamanderlarven werden von Forellen, Groppen, Äschen u. a. Fischen, von Libellenlarven und wahrscheinlich auch von Wasserspitzmäusen gefressen. In Bächen bzw. Bachteilstrecken, in denen Fische vorhanden sind, haben Salamanderlarven nur geringe Überlebenschancen. Deshalb nutzen sie hauptsächlich quellnahe, aufgrund von geringer Wasserführung oder Felsstufen natürlicherweise nicht von Fischen besiedelte Bäche bzw. Bachoberläufe als Larvengewässer. Diese Bachzone wird als "Salamanderzone" bezeichnet (Thiesmeier 1992).

Feuersalamander werden nach Langzeitbeobachtungen im Freiland über 20 Jahre alt. Einzelbeobachtungen unter Terrarienbedingungen belegen ein Alter von über 50 Jahren (Thiesmeier & Günther 1996).

Feuersalamander sind ab einer Temperatur von 6 C aktiv. In Jahren mit milden Wintern kann man bereits Ende Januar die ersten Tiere beobachten.

 

 

 

3. Verbreitung in der gesamten Region Oberes Elbtal

3.1. Übersicht

In der Region Sächsische Schweiz / Oberes Elbtal / Osterzgebirge ist der Feuersalamander etwa südlich einer gedachten Linie von Nossen - Diesbar-Seußlitz - Meißen - Coswig - Dresdner Heide - Neustadt in Sachsen verbreitet.

Im Zeitraum 1995 - 2000 wurden im Verbreitungsgebiet des Feuersalamanders in der gesamten Region in zahlreichen Bächen und Bachtälern Untersuchungen zum Fortpflanzungserfolg von Feuersalamanderpopulationen, zu Lebensraumbedingungen und Gefährdungsfaktoren durchgeführt, siehe Karten 1 und 4 : Gefährdungsanalysekarten. Schwerpunktgebiete dieser Untersuchungen waren die Nationalparkregion Sächsische Schweiz, das Territorium der Landeshauptstadt Dresden und das Gebiet des Tharandter Waldes. Die Projekte sind von der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Dresden, dem Regierungspräsidium Dresden sowie der Nationalparkverwaltung gefördert worden. Außerdem wurden die Untersuchungsergebnisse ehrenamtlich Arbeitender zusammengetragen und einbezogen.

Um Verbreitung, Anzahl und Aufenthaltsplätze von Feuersalamanderlarven zu erfassen, wurden Sichtkontrollen bekannter und potentieller Bäche mit Salamanderlarvenbesatz durchgeführt, wobei die Bäche nachts abgegangen und mit einer starken Taschenlampe ausgeleuchtet wurden. Diese Sichtkontrollen sollten auch klären, ob Salamanderlarven und Fische in getrennten oder eventuell doch in den selben Bächen bzw. Bachteilstrecken leben. Um festzustellen, ob und in welcher Anzahl in den untersuchten Bächen Larven die vollständige Umwandlung in Jungsalamander erreichen, erfolgten die Larvenzählungen Anfang Juli bis Anfang August. In diesem Zeitraum findet die Metamorphose statt, nach der die Jungsalamander an Land gehen. Die Larvenzählungen wurden in vielen der untersuchten Bäche nicht nur in einem Jahr, sondern in zwei verschiedenen Jahren innerhalb des Untersuchungszeitraumes durchgeführt.

Die Ergebnisse sind alarmierend: In ca. 90 % der untersuchten Feuersalamanderpopulationen erreichten nur wenige (< 50, zumeist < 20) oder gar keine Larven die Umwandlung in Jungsalamander.

3.2. Verbreitung in der Sächsischen Schweiz

Das aktuelle Verbreitungsbild des Feuersalamanders in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz zeigt im groben Maßstab eine großräumige Besiedlung des Gebietes. Im feineren Maßstab wird jedoch eine relativ lückenhafte Verteilung der Populationen sichtbar, siehe Karte 2.

Eine Häufung eng benachbarter Fundorte ist nur in den Nebentälern des Kirnitzschtales im hinteren Nationalparkteil vorhanden. Aus diesem Bereich gibt es relativ viele Einzelnachweise von Alttieren. Die Untersuchungen im Juli/August 1998/99 erbrachten jedoch in keinem Nebenbach der Kirnitzsch zwischen Bad Schandau und Saupsdorf Funde von Salamanderlarven. Aktuelle Nachweise von Jungsalamandern sind im Bereich des Kirnitzschtales nur von zwei Orten bekannt. Dabei handelt es sich um Einzelfunde von Jungtieren 1998 im Goldbachtal südwestlich bei Saupsdorf und 1999 bei der Mittelndorfer Mühle. Weiterhin wurden im Juni 1998 in einem Quellbecken im Schoßgrund südöstlich von Ottendorf 23 Larven festgestellt.

In den Nebentälern des Polenztales gibt es aktuelle Nachweise des Feuersalamanders nur an drei Lokalitäten. Im Riesengrundbach nordwestlich bei Hohnstein ergab eine Larvenzählung Anfang August 1999 41 Larven. Weiterhin wurde im Bachtälchen am Neuweg südlich bei Hohnstein 1999 ein Alttier und bei der Grundmühle im Tiefen Grund südöstlich bei Hohnstein im Herbst 2000 ein Jungtier gefunden.

In den Seitentälchen des Sebnitztales ist der derzeitige Kenntnisstand zur Bestandessituation des Feuersalamanders ungenügend. Nachweise von Alttieren ohne Angaben zum Fortpflanzungserfolg liegen im Bereich des Schwarzbachtales zwischen Goßdorf und Ulbersdorf vor. Am Hubenberg bei Sebnitz wurden in zwei Kleingewässern am Nord- und Osthang im Juni 1998 bzw. im August 2000 einmal 20 und einmal 50 Larven festgestellt.

In der Nationalparkregion nördlich der Elbe sind weitere Fundorte von Jungsalamandern bzw. Larven kurz vor der Umwandlung nur im Wehlener Grund (1997 Fund eines Jungtieres) und in einem Kleingewässer in der Ortslage Zeichen (im Oktober 1996 Nachweis von 20 Larven) bekannt. Im Bach des Prossener Gründels wurde im Juni 2000 10 Larven festgestellt, die aber aufgrund der Austrocknung des Gewässers im Juli sehr wahrscheinlich nicht das Jungsalamanderstadium erreichten.

Im linkselbischen Teil der Nationalparkregion existiert im Struppengrund die nach gegenwärtigem Kenntnisstand individuenstärkste Salamanderpopulation der gesamten Sächsischen Schweiz. Im Struppenbach wurden 1997 Anfang Juli in einem Teilabschnitt 166 Larven gezählt. Die Kontrolle des gesamten Bachlaufes von Obervogelgesang bis Struppen ergab Ende Juli 1998 lediglich 17 Larven, Ende Juli 2000 dagegen 112 Larven. Diese extremen Unterschiede sind wahrscheinlich auf Witterungsextreme zurückzuführen: 1998 traten regional in den Monaten Juni und Juli deutlich mehr Starkregen auf als 2000. Bei den 1998 durchgeführten Untersuchungen der Nebenbäche des Krippenbaches zwischen Mündung in die Elbe und Kleingießhübel wurden nur im Liethenbach Salamanderlarven festgestellt. In diesem Bach wurden Ende Juli 1998 nur 11 Larven gezählt, während die Kontrolle Ende Juli 2000 mit 35 Larven eine etwas höhere Anzahl ergab. Im Bach in der "Großen Hirschke" östlich bei Königstein wurden Ende Juli 1999 keine Larven und Ende Juli 2000 zwei Larven festgestellt. Im Hirschgrund nordöstlich bei Schöna wurden 1993 mehrere Jungsalamander gefunden. Die 1998 durchgeführten Larvenkontrollen im Hauptbach und den Nebenrinnsalen ergaben keinen Nachweis.

Weitere aktuelle Fundorte von Jungsalamandern in der südlich der Elbe gelegenen Nationalparkregion sind das Bielatal bei Königstein und bei Reichstein (1994 bzw. 1995 jeweils Einzelfunde) sowie die Elbleite bei Pirna-Cunnersdorf (1997 Nachweis mehrerer Alt- und Jungtiere).

3.3. Verbreitung in Dresden und Umgebung

Im Raum Dresden bewohnt der Feuersalamander die Bachtälchen in den Hangbereichen des Elbtales nahezu vollständig, siehe Karte 3.

In den rechtselbischen Bereichen (nördliche Hälfte des Dresdner Elbtales) befindet sich der Verbreitungsschwerpunkt in den relativ nahe nebeneinander liegenden Bachtälchen von Wachwitzgrund bis zu den Borsberghängen in Höhe der Ortschaft Graupa. Zwar existieren noch in allen Bachtälchen dieses Gebietes Salamanderpopulationen, jedoch wurden je Bach bzw. einschließlich kleiner Nebenbäche in den Untersuchungsjahren 1996-2000 stets nur wenige Larven (1-30), die die Umwandlung in Jungsalamander erreichen, festgestellt.

Aus der Dresdner Heide sind Einzelnachweise von Alttieren bekannt. Die aktuellen Untersuchungen in Bächen dieses Waldgebietes erbrachten allerdings keine Larvenfunde. Noch nicht ausreichend erfasst sind die Verbreitung und Bestandsituation im Radebeul-Coswiger Gebiet, aus dem bis in die 1980er Jahre Einzelnachweise erwachsener Tiere vorliegen. Im linkselbischen Raum (südliche Hälfte des Dresdner Elbtales) ist der Feuersalamander in noch fast allen Bachtälchen vorhanden, allerdings sind diese Populationen zumeist völlig isoliert. Im Rahmen der aktuellen Untersuchungen wurden in den drei Bächen Roßthaler Bach, Kaitzbach und Nöthnitzbach jeweils nur 20-50 Larven festgestellt, die das Stadium des Jungsalamanders erreichten.

In weiteren fünf Bächen (drei Nebenbäche des Lotzebaches, Gorbitzbach, Bachgrund an der "Kuhblöke" im Plauenschen Grund) lagen die Ergebnisse der Larvenzählungen bei 1-10 Tieren.

In den überwiegend bebauten Bachtälchen in Cossebaude befinden sich mehrere Quellbecken, in denen sich jährlich etwa 50 - 100 Larven zu Salamandern entwickeln.

In der Umgebung von Tharandt sind drei Bachtäler bekannt, wo bis in die 1970er Jahre Nachweise individuenstarker Populationen vorliegen.

Bei den Untersuchungen Anfang August 2000 wurde nur im Bach im Breiten Grund eine hohe Larvenzahl (ca. 350) nachgewiesen, während in der Pastritz nur 17 Larven und im Bach im Tiefen Grund überhaupt keine Larven festgestellt wurden.

Die Ursachen der Bestandesrückgänge sind in den Kapiteln 4.1. und 4.2. erläutert.

4. Gefährdungen

4.1. Abflussextreme der Bäche

Eine Hauptursache des allgemeinen Rückganges bzw. der teilweise vollständigen Vernichtung des Larvenbestandes der Bäche sind Abflussextreme als Folge von Entwaldung der Bacheinzugsgebiete. Fehlt der Wald, der Niederschläge speichert und sie allmählich wieder abgibt, kommt es einerseits nach kurzzeitigem Starkregen oder nach länger andauerndem Landregen zu stark erhöhten Abflussspitzen der Bäche. Unnatürlich häufige und heftige Hochwasserspitzen führen zur Abdrift von weit über den natürlichen Driftverlusten liegenden Anzahlen von Feuersalamanderlarven in die bachabwärts gelegenen, von Forellen und anderen Fischen besiedelten Fließstrecken oder in die Kanalisation, wo die Larven keine Überlebenschancen haben.

Andererseits bedeutet der Verlust des Waldes für Bäche mit geringerer Wasserführung, dass diese in langen trockenen Witterungsperioden abschnittsweise oder völlig austrocknen können. Sinkt die Wasserführung unter 1-2 cm Wassertiefe und halten sich auch keine Restlachen, können die Larven ebenfalls nicht überleben.

Hinzu kommt, das in entwaldeten Bacheinzugsgebieten, insbesondere bei Ackernutzung oder intensiver Grünlandnutzung große Mengen feinen Bodenmaterials eingespült wird, das sich in den Bächen ablagert. Dadurch wird deren Struktur gleichförmig und arm an strömungsberuhigten Bereichen. In solchen Bächen finden Salamanderlarven auch hinsichtlich der Bachstruktur keine geeigneten Lebensbedingungen mehr.

In den zahlreichen Bächen mit großflächig entwaldetem Einzugsgebiet, die in der Region im Zeitraum 1995 - 2000 untersucht wurden, erreichten fast ausnahmslos nur wenige (<50, zumeist < 20) oder gar keine Salamanderlarven die Umwandlung in Jungsalamander!

In zwei Bächen des Dresdner Elbhanges zwischen Loschwitz und Pillnitz (Bach im Wachwitzgrund, Bach im Preßgrund), deren Einzugsgebiet im nordöstlich gelegenen Schönfelder Hochland gegenwärtig, außer schmalen Waldstreifen in den Bachtälern, aus Grünland, Feldern und Dörfern besteht, wurden im Juli 1997 Vergleichszählungen der Salamanderlarven im Abstand von wenigen Tagen mit zwischenzeitlich starken Regenfällen durchgeführt. Dabei wurden in beiden Bächen Larvenverluste von etwa 80 % festgestellt.

Der einzige Bach, in dem während der aktuellen Untersuchungen in der Region mehrere hundert Feuersalamanderlarven kurz vor bzw. zu Beginn des Metamorphosehöhepunktes gezählt wurden, war der Bach im Breiten Grund im Tharandter Wald. Sein Einzugsgebiet ist vollständig bewaldet. Dieser Bach ist zugleich der einzige aller untersuchten Bäche, wo keine erhebliche Beeinträchtigung der natürlichen Lebensbedingungen festgestellt wurde.

In der Sächsischen Schweiz befinden sich viele Larvenbäche des Feuersalamanders, die seit mehreren Jahrzehnten deutlich rückläufige Wasserführung aufweisen und gegenwärtig im Sommerhalbjahr zeitig und lange austrocknen. Aus dem Umfeld dieser Bäche sind seit Jahrzehnten Funde von erwachsenen Feuersalamandern bekannt, jedoch erreichen bei der gegenwärtigen Austrocknung der Bäche im Sommerhalbjahr sehr wahrscheinlich keine Larven mehr die vollständige Umwandlung in Jungsalamander. Da es sich bei den betroffenen Bächen sowohl um solche mit großflächig entwaldeten als auch um solche mit vollständig bewaldetem Einzugsgebiet handelt, spielen wahrscheinlich auch klimatische Veränderungen eine Rolle.

 

4.2. Versauerung der Bäche

In Europa und Nordamerika ist mit der zunehmenden Industrialisierung insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Ausstoß säurebildender Abgase (Schwefeldioxid, Stickoxide) durch Kraftwerke, Verkehr, Heizung privater Haushalte, Industrie und Müllverbrennung drastisch angestiegen. Es kam und kommt weiterhin zu einem Eintrag enormer Mengen säurebildender Stoffe in die Atmosphäre und die Landschaft. Der Säuregehalt (gemessen als pH-Wert) in den Niederschlägen hat in großen Teilen Europas und Nordamerikas stark zugenommen. Regenwasser hat natürlicherweise einen pH-Wert von im Mittel 5,6. In wenigen Jahrzehnten ist der pH-Wert der Niederschläge in Mitteleuropa auf gegenwärtig zwischen 4,0 - 5,0 gesunken. Die Abnahme des pH-Wertes um 1,0 bedeutet eine Verzehnfachung, um 2,0 eine Verhundertfachung der säureverursachenden Wasserstoff-Ionen (Heinrich & Hergt 1990).

Die Folge ist eine Versauerung von Böden und Gewässern. Bis zu einem gewissen Grade kann der Boden den Säureeintrag abpuffern. Ist die Pufferkapazität erschöpft, kommt es zum Anstieg der Säurekonzentration im Bodenwasser, und es kann zur Versauerung von Grundwasser und Oberflächengewässern kommen.

Sinkt der pH-Wert des Bodenwassers unter 4,2, werden zusätzlich zum erhöhten Säuregehalt giftige Aluminium-Ionen freigesetzt, die auch in die Gewässer gelangen können. Die Pflanzen- und Tierwelt wird durch die Zunahme der Säurekonzentration in Luft, Boden und Gewässern sowie bei weiter fortschreitender Versauerung auch durch die giftigen Metall-Ionen geschädigt (Niemeyer-Lüllwitz et al. 1988).

In Sachsen liegt der Säuregehalt der Niederschläge immer noch deutlich über den natürlichen Mittelwerten, wenngleich er in der zweiten Hälfte der 90er Jahre leicht gesunken ist (LfUG 2000). Die aktuellen Einträge von Schwefel, Stickstoff und ihren Säuren liegen auf allen forstlichen Dauerbeobachtungsflächen in Sachsen mit Ausnahme von Colditz deutlich über den aus Sicht des Waldschutzes berechneten kritischen Belastungsraten. Bei der Berechnung dieser Belastungsraten wird ein pH-Wert des Bodenwassers von 4,0 vorgegeben (SMUL 1999).

In Gewässern führen Veränderungen des natürlichen Basen-Säure-Verhältnisses durch unnatürlich erhöhte Säureeinträge etwa ab pH-Werten von unter 6,0 zum Rückgang der Arten. Sinkt der pH-Wert im Gewässer unter 5,0, können nur sehr wenige Arten überleben (Niemeyer-Lüllwitz et al. 1988.

Bei den aktuellen Untersuchungen in der Region wurden Feuersalamanderlarven nie in Bächen nachgewiesen, in denen der pH-Wert bei Messungen im Sommer unter 6,0 lag. Der Vergleich des Altdatenmaterials zur Verbreitung des Feuersalamanders in der Region mit den aktuellen Untersuchungen zeigt beispielhaft für mehrere Gebiete, dass es eine eindeutige Bestandsgefährdung des Feuersalamanders durch die Versauerung von Gewässern gibt. Dokumentiert ist dies durch ehemalige und teilweise auch noch aktuelle Funde von erwachsenen Feuersalamandern in Bachtälern, wo in den Bächen aktuell pH-Werte unter 5,0 gemessen und keine Larven festgestellt wurden. Beispiele dafür sind der Bach im Tiefen Grund im Tharandter Wald und der Schiebmühlenbach im linkselbischen Teil der Sächsischen Schweiz.

Gewässer, die gegenwärtig von Versauerung betroffen sind, befinden sich hauptsächlich in großen Teilen der Waldgebiete der Sächsischen Schweiz und des Osterzgebirges, aber auch in Teilen des Tharandter Waldes sowie in Teilen der Dresdner Heide. Versauert sind in diesen Gebieten sowohl Bäche, in deren Einzugsgebiet gegenwärtig nicht standortgerechte Nadelholzreinbestände dominieren als auch Bäche, deren Einzugsgebiet größtenteils von Laub- und Mischwald bedeckt ist.

Um einer weiteren Versauerung der Böden entgegenzuwirken, erfolgen in Sachsen seit Anfang der 1990er Jahre umfangreiche Kalkungen. Diese Maßnahmen können, so wichtig sie zur aktuellen Schadensminderung sind, weder den Zustand der versauerten Gewässer ausreichend und nachhaltig verbessern, noch das Problem der Versauerung von Böden und Gewässern ursächlich beheben.

4.3. Forstwirtschaft

In Sachsen wie in ganz Deutschland wurden seit Anfang des 19. Jahrhunderts auf Laub- und Mischwald-Standorten großflächig Nadelbaumreinkulturen (Nadelholzforste) angelegt, im Hügel- und Bergland hauptsächlich Fichtenforste. Standorttypische Laub- und Mischwälder nehmen nur noch einen kleinen Teil der gegenwärtigen Waldfläche ein.

In den von Nadelholzforsten dominierten Waldgebieten sind die natürlichen Lebensbedingungen in Wald- und Bach-Lebensräumen sehr stark beeinträchtigt. Die Nadelstreu hat einen höheren Säuregehalt als die Laubstreu und in dichten, lichtarmen Fichtenforsten ist die Bodenvegetation stark verarmt oder fehlt völlig (Slobodda 1985). In Bächen wird Nadelstreu - im Gegensatz zu Laubstreu - nicht von Kleinorganismen zersetzt; die Nahrungsketten der Lebensgemeinschaften von Bächen in Nadelholzforsten sind somit grundlegend gestört (Niemeyer-Lüllwitz et al. 1988).

In Bächen, deren Täler gegenwärtig überwiegend mit Fichten bestockt sind, wurden nur in einem Fall sehr wenige Feuersalamanderlarven festgestellt. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Fichtenforsten keine geeigneten Landlebensräume für Feuersalamander sind.

 

4.4. Fischereiliche Bewirtschaftung

Die fischereiliche Bewirtschaftung von Bächen wirkt im allgemeinen dann als Gefährdungsfaktor auf Feuersalamanderpopulationen, wenn natürlicherweise fischfreie Bäche bzw. Bachteilstrecken künstlich mit Fischen besetzt werden oder der natürliche Fischbestand in Bächen durch Besatz in Artenzusammensetzung, Altersstruktur und Individuendichte verändert wird. Die gegenwärtige Verbreitung der Fische in Gewässern Mitteleuropas ist zum einen von natürlichen Faktoren, zum anderen aber seit Jahrhunderten durch Eingriffe des Menschen geprägt. Deshalb ist es gegenwärtig in vielen Fällen sehr schwer, zwischen natürlicherweise gewässertypischen und künstlich eingesetzten bzw. veränderten Fischbeständen zu unterscheiden.

Die Existenz einer natürlicherweise nicht von Fischen besiedelten "Salamanderzone" zwischen den Quellen und der "Forellenzone" wurde erst Anfang der 1990er Jahre nach Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen beschrieben (Thiesmeier 1992). Die in der Region Oberes Elbtal / Osterzgebirge im Zeitraum 1995 - 2000 durchgeführten Untersuchungen zur Verbreitung von Feuersalamanderlarven und Fischen bestätigen eindeutig die Existenz der "Salamanderzone". Bei diesen Untersuchungen wurden Feuersalamanderlarven fast ausnahmslos in Bächen bzw. Bachteilstrecken nachgewiesen, in denen keine Fische vorhanden sind. Nur in Ausnahmefällen wurden Salamanderlarven in sehr geringer Anzahl neben Bachforellen in der "Forellenzone" von Bächen festgestellt.

Die Verbreitung und Bestandsdichte der Bachforelle ist in den Bächen Sachsens gegenwärtig größtenteils durch Besatz durch Fischer bestimmt (LAL 1996). Zudem existieren gegenwärtig in vielen heimischen Bächen künstlich eingebürgerte Bestände der nicht heimischen Arten Regenbogenforelle und Bachsaibling. In Bächen des Hügel- und Berglandes, die Larvenbäche des Feuersalamanders sind, wirkt Fischbesatz auf Salamanderpopulationen grundsätzlich als existenzgefährdender Faktor.

4.5. Begradigungen und Uferverbauungen

In begradigten oder kanalisierten Bächen ist die Fließgeschwindigkeit enorm erhöht und der Strukturreichtum des Bachbettes massiv verringert. In der "Salamanderzone" von Bächen bedeuten solche Eingriffe in natürliche Bachläufe die starke Verringerung oder Vernichtung der Existenzmöglichkeiten für Feuersalamanderlarven (Theismeier 1992).

In unserer Region ist die "Salamanderzone" der Bäche - anders als die tiefer gelegenen Fließstrecken - von Begradigung und Kanalisierung erfreulicherweise relativ wenig betroffen.

4.6. Abwasserbelastung

Bei starker Abwasserbelastung verschlechtern sich die Lebensbedingungen für Feuersalamanderlarven erheblich, auch wenn sie eine geringere Gewässergüte vertragen als beispielsweise die sehr empfindlichen Bachforellen (Seifert 1991, Thiesmeier 1992).

Starke Abwasserbelastungen von Bächen der "Salamanderzone" wurden bei den aktuellen Untersuchungen nur in wenigen Fällen festgestellt. Allerdings waren einige Larvenbäche des Feuersalamanders in den vorigen Jahrzehnten stärker durch Abwässer aus Siedlungen und Landwirtschaft belastet, was sehr wahrscheinlich zu Bestandsrückgängen geführt hat. Dies gilt beispielsweise für den Bach im Riesengrund (Nebenbach der Polenz) und den Bach im Borthener Gründel (Nebenbach des Lockwitzbaches).

4.7. Straßenverkehr

Die Bachtäler der "Salamanderzone" sind in der Region noch relativ wenig von Straßen zerschnitten und Feuersalamander der Gefährdung durch den Straßenverkehr im allgemeinen weniger ausgesetzt als andere Amphibienarten. An einigen Orten jedoch wirkt der Straßenverkehr als sehr erheblicher Dezimierungsfaktor auf die lokalen Salamanderpopulationen. Solche Gefährdungsstellen sind z.B. die Straße im Struppengrund, die Tal- und die Weinbergstraße in Cossebaude und die Talmühlenstraße zwischen Tharandt und Hartha. Auf der Straße im Struppengrund zwischen Obervogelgesang und Struppen wurden (trotz in ca. 2/3 des Gefährdungsbereiches aufgestelltem Amphibienschutzzaun) in den 1990er Jahren jährlich mindestens 40-60 überfahrene Feuersalamander festgestellt.

4.8. Zusammenfassung der Gefährdungssituation

Zusammenfassend betrachtet haben hauptsächlich die Entwaldung von Bacheinzugsgebieten und die durch säurebildende Abgase verursachte Versauerung von Niederschlägen, Böden und Gewässern dazu geführt, dass in unserer Region nahezu keine quellnahen Wald-Bach-Lebensräume mehr existieren, deren natürliche Lebensbedingungen noch komplex intakt sind. Zudem sind die natürlichen Lebensgemeinschaften der Bäche Eingriffen durch künstlichen Fischbesatz ausgesetzt.

Erfolgen keine lebensraumverbessernden Maßnahmen, ist der Feuersalamander mittel- bis langfristig in der Region vom Aussterben bedroht. Die dabei festgestellten Hauptgefährdungsfaktoren betreffen die Wald-Bach-Biotope der "Salamanderzone" in der gesamten Region. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass Bestandsrückgänge beim Feuersalamander sehr langsam vor sich gehen können, da die Tiere eine lange Lebenserwartung haben und zwar jedes Jahr beobachtet werden können, auch Larven absetzen, diese sich aber nicht bis zum ausgewachsenen Salamander entwickeln können, weil dies die ungünstigen Bedingungen in den Bächen nicht mehr zulassen.

5. Schutzmaßnahmen

Der Feuersalamander ist eine charakteristische Art der Lebensgemeinschaft der quellnahen Wald-Bach-Lebensräume des Hügel- und Berglandes. Nur dessen komplexer Schutz sichert langfristig die Existenz des Feuersalamanders. Bäche und Bacheinzugsgebiete bzw. Gewässer- und Landlebensräume des Feuersalamanders müssen bei Planungen und der Verwirklichung eines umfassenden Biotop- und Artenschutzes im Zusammenhang gesehen werden.

Notwendig sind Renaturierung und Schutz der Wald-Bach-Biotope der "Salamanderzone" in einem Umfang, der in allen Naturräumen, in denen der Feuersalamander noch beheimatet ist, die natürlichen Existenzmöglichkeiten für langfristig existenzfähige Feuersalamanderpopulationen, d. h. für Populationen mit ausreichendem Fortpflanzungserfolg, ausreichender Individuenzahl und ausreichenden Individuenaustauschmöglichkeiten, sichert. Auf lokaler und regionaler Ebene sind folgende Maßnahmen erforderlich:

Wiederbewaldung von Bacheinzugsgebieten

Entsprechend der natürlichen Gegebenheiten müssen überwiegend einheimische Laubbaumarten aufgeforstet werden. In Bachnähe sind dies vor allem Erlen, Eschen und Weiden. Kleinere Nadelholzgruppen bzw. ein Anteil von max. 20 % an Nadelbäumen kann toleriert werden.

Extensivierung der Landwirtschaft in Bacheinzugsgebieten

- kein Ackerbau im Bereich von Hangmulden, wo unterhalb ein Bach entspringt (Erosionsgefahr selbst bei geringer Hangneigung);

- keine intensive Beweidung in feuchten Hangmulden;

(Quellmulden und Quellbereiche befinden sich meist oberhalb der steiler abfallenden Talhänge und werden beweidet. Durch Viehtritt kommt es zu Bodenverdichtungen und Zerstörung der Grasnarbe, was den Abfluss und die Erosion erhöht)

- extensive Grünlandnutzung oder Anlage von Streuobstwiesen,

bzw. Strukturierung dieser Hangbereiche durch quer zum Hang angelegte Heckenstreifen u. ä.

Umwandlung der Fichtenforsten in naturnahe Laubmischwälder

Die natürlichen Waldgesellschaften der Bacheinzugsgebiete sind für die natürlichen Artengemeinschaften der Wald-Bach-Biotope eine Lebensgrundlage. Es handelt sich vorwiegend um bodensaure Eichen-Buchenwälder und Hügelland stellenweise um Eichen-Hainbuchenwälder sowie um Erlen-Eschen-Bach- und Quellwälder und Ahorn-Eschen-Schlucht- und Schatthangwälder. Deshalb ist die allmähliche Umwandlung der monotonen Nadelholzforsten in standortgemäße Laub- und Mischwaldbestände dringend erforderlich. Die Waldumbaumaßnahmen müssen aus Gründen des Arten- und Biotopschutzes möglichst schonend und ohne große Kahlschläge erfolgen.

Reduzierung bzw. völlige Unterbindung der Abwassereinleitung

Zumindest in den oberen Bachabschnitten muss die Abwassereinleitung oder ein Einspülen von Silo-Sickerflüssigkeit, Gülle u. ä. sowie die Einleitung der Straßenentwässerung (Auftausalze, Öle!) ausgeschlossen werden.

Schutz der "Salamanderzone" vor Fischbesatz

In der von der Fischerei angewandten Zonierung der Fließgewässer nach sogenannten Leitfischarten und bei daran orientierten Fischbesatzmaßnahmen wird die natürlicherweise nicht von Fischen besiedelte "Salamanderzone" bisher nicht berücksichtigt (LAL 1996). Deshalb ist es erforderlich, dass in Zusammenarbeit von Naturschutz- und Fischereibehörden auf der Basis des aktuellen Kenntnisstandes zur Verbreitung des Feuersalamanders Bäche bzw. Bachteilstrecken festgelegt werden, in denen kein Fischbesatz erfolgen darf.

Renaturierung bzw. Rückbau begradigter Bäche und -abschnitte

In der Region sind erfreulicherweise nur wenige Bäche bzw. Bachteilstrecken der "Salamanderzone" stark begradigt bzw. kanalisiert. Die Renaturierung solcher begradigter oder kanalisierter Fließstrecken ist für den Schutz des Feuersalamanders von entscheidender Bedeutung. Wo in Larvenbächen des Feuersalamanders Renaturierungsmaßnahmen erforderlich sind, dürfen diese nur im Herbst oder Winter durchgeführt werden, um eine zusätzliche Gefährdung der Larven zu vermeiden. Begradigte Bäche sollten einer langsamen, von den Fließkräften selbst bestimmten Renaturierung überlassen werden, wobei in Bachlauf und nahem Bachumfeld keine Eingriffe mehr erfolgen. Bäche, deren Bachbett mit Betonplatten, Pflastersteinen o. ä. kanalisiert ist, müssen möglichst schonend davon befreit und dann der natürlichen Entwicklung von Bach und nahem Umfeld überlassen werden.

Bau von Amphibienschutzanlagen / Unterführungen an Straßen

Im regionalen Überblick sind nur wenige Orte bekannt, an denen Feuersalamanderpopulationen durch den Verkehr auf Straßen, die die Lebensräume der Salamander zerschneiden, gefährdet sind. Dabei handelt es sich um Orts- bzw. Ortsverbindungsstraßen, an denen aufgrund des in den 1990er Jahren stark gestiegenen Straßenverkehrs seit einigen Jahren provisorische Amphibienschutzzäune mit hohem Betreuungsaufwand eingesetzt werden. Dauerhafte Schutzlösungen bilden an diesen Orten, da Sperrung oder Rückbau dieser Straßen kaum zu realisieren sein dürften, Amphibienschutzanlagen mit fest installierten Leiteinrichtungen und Tunneln. Die bisherigen Erfahrungen mit bisher gebauten Amphibienschutzanlagen zeigen, dass auf ausreichende Vorplanung und dem biologischen Kenntnisstand entsprechende Ausführung größter Wert gelegt werden muss. Die relativ hohen Kosten der Planung und Errichtung solcher Anlagen müssen im Verhältnis zu den gigantischen Ausgaben für den Straßenbau gesehen werden und sind nach dem Verursacherprinzip bei diesen Haushaltsmitteln einzukalkulieren.

Auf regionaler und überregionaler Ebene ist für den komplexen Schutz der Wald-Bach-Biotope und ihrer Lebensgemeinschaften die drastische Verringerung der säurebildenden und klimarelevanten Luftschadstoffe aus Kraftwerken, Verkehr, Industrie und Gewerbe, Haushalten und Landwirtschaft unverzichtbar.

6. Zusammenfassung und Wertung

Die meisten noch vorhandenen Feuersalamanderpopulationen in der untersuchten Region befinden sich in kritischem Zustand. Bei über 90 % der Populationen, die im Zeitraum von 1995-2000 vielfach 2 Jahre untersucht wurden, kam es zu großen Verlusten während der Larvenentwicklung. Zumeist erreichten weniger als 20 Larven die Umwandlung in Jungsalamander. Die Reproduktionsraten reichen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aus, um die Bestände längerfristig zu erhalten. Ursachen sind in erster Linie Abflussextreme der Bäche durch überhöhte Einspülungen als Folge der fehlenden Niederschlagsspeicherung aufgrund der überwiegend entwaldeten und intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebiete der Bäche. Außerdem scheinen sich in den letzten Jahren Witterungsextreme (längere Trockenperioden, Starkniederschlagsereignisse) zu häufen, die sich negativ auf die Larvenentwicklung auswirken und offenbar als Anzeichen des anthropogen verursachten Klimawandels einzuschätzen sind. Kurzfristig müssen vor allem biotopverbessernde Maßnahmen im Einzugsgebiet der Bäche durchgeführt werden.

7. Literaturverzeichnis und Datenquellen

Brettfeld, R. (1987):

Der Einfluss der pH-Wert-Absenkung auf die biologische Struktur eines Bergbachsystems im mittleren Erzgebirge. - Veröffentlichungen Naturhistorisches Museum Schleusingen 2: 57-76, Schleusingen.

Fröhlich, G., Oertner, J. & S. Vogel (1987):

Schützt Lurche und Kriechtiere. - VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.

Heinrich, D. & Hergt, M. (1990):

Atlas zur Ökologie. Tafeln und Texte. - Deutscher Taschenbuch Verlag, München.

Klewen, R. (1991):

Die Landsalamander Europas, Teil 1. Die Gattungen Salamandra und Mertensiella. - A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt.

Niemeyer-Lullwitz, A., Popp, D., Winkler, J. A. & Zucchi, H. (1988):

Rettet die Bäche. - Natur & Umwelt, Verlag des BUND, München.

Nöllert, A. & C. (1992):

Die Amphibien Europas. Bestimmung - Gefährdung - Schutz. - Franckh-Kosmos, Stuttgart.

Seifert, D. (1991):

Untersuchungen an einer ostthüringischen Population des Feuersalamanders (Salamandra salamandra). - Artenschutzreport 1: 1-16, Jena.

Slobodda, S. (1985):

Pflanzengemeinschaften und ihre Umwelt. - Urania-Verlag. Leipzig - Jena - Berlin.

Steffens, R. (1989):

Naturschutzprobleme in Immissionsgebieten unter besonderer Berücksichtigung der Situation in den drei sächsischen Bezirken. - Naturschutzarbeit in Sachsen 31: 25-38, Dresden.

Thiesmeier, B. (1992):

Ökologie des Feuersalamanders. - Westarp Wissenschaften, Essen.

Thiesmeier, B. & Günther, R. (1996):

Feuersalamander - Salamandra salamandra. - In: Günther, R. (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.) (LAL 1996):

Die Fischfauna von Sachsen. - Rundmäuler - Fische - Krebse. Geschichte - Verbreitung - Gefährdung - Schutz. Dresden.

SMUL (1999):

Waldzustandbericht 1999. Hrsg.: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Dresden.

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG 2000):

Daten der Niederschlagsmengen und pH-Werte im Niederschlag der Meßstationen Mittelndorf, Radebeul-Wahnsdorf und Zinnwald 1990-2000 (unveröff.).

 

 

 

Herpetologische Zentraldatei der Region Westteil Regierungsbezirk Dresden (Dateiführung von J. Mehnert im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit im Landesfachausschuss Feldherpetologie und Ichthyofaunistik im Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Sachsen e. V.)

In der vorliegenden Arbeit wurden neben den Untersuchungsergebnissen des Autors auch Beobachtungsangaben folgender Personen berücksichtigt:

J. Albertus, A. Altenburger, U. Augst, H. Ballmann, J. Blau, R. Bösener, R. Branitz, C. Büttner, J. Christ,
K. Creutz, A. Demmig, J. Dobbelmann, E. Döring, H. Drechsler, J. Ebert, S. Elsner, L. Fleischer, D. Franz,
F. Franz, J. Fritzsche, K.-H. Fröde, E. Frommhold, S. Gebauer, V. Göhler, M. Görner, D. Graf, F. Gülzow,
A. Günther, W. Günther, A. Heinze, E. Hertwig, H. Hofmann, S. Hürten, K. Jacob, C. Kastl, B. Katzer,
R. Keiler, E. Klein, G. Kleinstäuber, A. Knaak, P. Kneis, J. Krause, A. Krone, W. Langer, J. Lehnert,
F. Leonhardt, U. Löser, Dr. J. Lorenz, U. May, U. Michel, G. Möller, A. K. Müller, K. H. Müller, C. Muster,
F. Nagel, F. J. Obst, K. Petters, W. Plattwich, J. Posthoff, U. Prokoph, G. Rasche, S. Rau, S. Rauten-
berg, F. Richter, G. Richter, M. Ritz, P. & I. Reichenbach, H. Riebe, Hr. Röber, Hr. Rudolph, R. Schaller,
H. Singer, J. Spilawski, K. Stilbach, H. Staude, T. Staude, S. Teufert, J. Unverfährt, D. Uhlig, H. Voigt,
H. Wähner, M. Wagner, J. Weber, Hr. Wenk, M. Wilhelm, A. Winkler, H. Wrzesinsky