Der Weißstorch braucht unsere Hilfe!

Weißstorch - Informationsblatt Nr.1

(Internetausgabe 11/2001)

Wer kennt ihn nicht, den Weißen Storch!
Kein anderer Großvogel hat sich dem Menschen so eng angeschlossen und genießt so viel Sympathie wie Adebar. Geschichten und Überlieferungen, aber auch Sagen und Mythen machten ihn zu einer der volkstümlichsten Vogelarten

Der Weißstorch - Indikator für eine ökologisch
wertvolle Landschaft



Von Einwohnern als "Dachreiter"- Nest errichtete
Nisthilfe in Berbisdorf nördlich von Dresden

Der Weißstorch benötigt neben einem geeigneten Brutplatz als Lebensraum offene und extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in strukturreichen Agrarlandbereichen. Hier findet er ausreichend Nahrung und die Möglichkeit zur Ansiedlung.

Im Arten- und Biotopschutz gilt er stellvertretend für eine Vielzahl anderer Tierarten mit Bindung an Feucht- und Grünlandbiotope als Indikator für ökologisch wertvolle Lebensräume.

 

Extensiv genutztes Grünland in der Umgebung eines Nestes bei Ottendorf-Okrilla im Kreis Kamenz.

 

Wissenswertes zur Biologie des Weißstorches

Lebensraum :

Zu seinem Lebensraum gehören offene Landschaften, Flußniederungen, Uferzonen von Flüssen, Seen und Teichen sowie Feuchtwiesen und andere landwirtschaftliche Flächen, vor allem, wenn sie extensiv genutzt sind.

Nahrung :

Er ist variabel in der Wahl seiner Nahrung und ernährt sich vorzugsweise von Kleintieren, wie z.B. Mäusen, Fröschen, verschiedenen Insekten (Heuschrecken, Käfer). Aber auch Spinnen, Schnecken und Regenwürmer verschmäht er nicht.

Nistplatz :

Die bevorzugten Nistplätze sind Giebeldächer, Masten, Schornsteine und manchmal die Kronen alter Bäume. Aber auch die speziell als Nisthilfen gesetzten Masten und Dachreiterneste werden sehr gern angenommen.

Zugverhalten :

Die Störche ziehen Ende August ins Winterquartier nach Afrika. Eine Flugroute führt südwestlich über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar. Die andere, südöstlich gerichtete, verläuft über den Balkan, die Türkei und den Nahen Osten. Die sächsischen Störche benutzen die südöstliche Route und überwintern im Südosten Afrikas.

Der Weißstorch ist bedroht !

In Deutschland, speziell in den alten Bundesländern, kam es zu einem dramatischen Rückgang des Weißstorchbestandes.

In den neuen Bundesländern war der Rückgang weniger stark, wie aus folgender Darstellung hervorgeht. Deshalb tragen sie beim Weißstorchschutz eine ganz besondere Verantwortung.



Entwicklung des Weißstorchbestandes in Deutschland seit 1934
(Werte aus: BOETTCHER-STREIM 1989, JONKERS 1989, KAATZ & KAATZ 1992 und BAG 1994)

 

Was sind die Ursachen für die Gefährdung des Weißstorches ?



In solchen ausgeräumten Agrarlandschaften finden Störche wenig Nahrung.

Hauptsächlich die Zerstörung der Lebensräume, insbesondere der Nahrungsgebiete ist verantwortlich für den Rückgang, verursacht vor allem durch die intensive Landwirtschaft in Form von :

- Trockenlegung von Feuchtwiesen und sonstigen Meliorationsmaßnahmen
- Intensivierung der Grünland- und Ackernutzung

Aber damit nicht genug: Neue Straßen werden gebaut, überdimensionierte Gewerbegebiete "auf der grünen Wiese" schießen wie Pilze aus dem Boden und versiegeln große Flächen, und nicht zuletzt reißt der Bergbau große Löcher in die Landschaft.
Somit kommt es zur weiteren Zerstörung und Verkleinerung seiner Lebensräume.
Häufig kommen Störche auch an Hochspannungsleitungen zu Tode.

Bestandessituation in Sachsen

Erfreulicherweise ist in Sachsen seit Anfang der 60er Jahre ein leichter Anstieg des Weißstorchbestandes zu verzeichnen.
Dies ist auch dem uneigennützigen Einsatz vieler ehrenamtlicher Ornithologen zu verdanken, die durch den Bau von Nisthilfen und die Betreuung bestehender Nester zum Schutz des Weißstorches beigetragen haben. Aufgrund ihrer beharrlichen Überzeugungsarbeit bei den Landwirten zur Erhaltung extensiv bewirtschafteter Grünlandflächen (mit speziellen Mähterminen) und durch eigene, aktive Mitwirkung bei der Pflege von Feuchtwiesen trugen sie dazu bei, wichtige Nahrungshabitate für den Weißstorch zu erhalten.

Betrachtet man die Weißstorchdichte bezogen auf die Landkreise (alte Kreisgrenzen), so ergibt sich folgendes Bild:

Was kann für den Weißstorchschutz getan werden ?

An erster Stelle steht die Verbesserung der Nahrungsgebiete.

Weitere Maßnahmen sind :

-

Errichtung von Nisthilfen in geeigneten Gebieten

-

Reparaturen an Nestern

-

Entschärfung von E-Leitungen

Sanierung eines Weißstorchnestes in Moritzburg, Mitte der 80er Jahre.


Links: Abnehmen des Nestes

Rechts: Aufsetzen auf die anmontierte Nestunterlage


Um eine größere Distanz zu den Leitungsdrähten zu erreichen (Gefährdung durch Stromschlag)
wurde das Nest abgenommen, eine stabile Unterlage auf den Mast montiert und anschließend das alte Nest darauf befestigt.

Erhalt und Verbesserung der Nahrungsgebiete:

1. Wiederherstellung von extensiv bewirtschaftetem Feuchtgrünland

Viele Feuchtwiesen sind durch Entwässerungsmaßnahmen, Einsaat von wenigen Futtergrasarten und meist starker Düngung zu artenarmen
Kulturflächen geworden. Die typische Feuchtwiesenfauna ist meist
verschwunden. Folgende Maßnahmen können zur Renaturierung beitragen:

-

Wiedervernässung durch Überstauung

-

Rückbau von Drainagen u.a

-

Einschränkung der Düngung oder völliger Verzicht

-

1. Mahd etwa Mitte Mai (jedoch nur auf einem Teil der Flächen - siehe unten *)

-

Staffel-Mahd, d.h. parzelliertes Abmähen, so dass ein Mosaik von ungemähten und gemähten Flächen vorhanden ist

2. Renaturierung und Pflege an Gewässern

-

Abflachen von Grabenböschungen, Gräben und Uferbereichen von Gewässern

-

Grabenerweiterung (z.B. Anlegen sogenannter Grabentaschen)

-

teilweises Entfernen (Rückschnitt) von Gehölzen an Teichen, Tümpeln und Bächen

-

Anlage von Grünlandstreifen an Gewässerufern, die dann kontinuierlich gemäht werden

3. Schaffung, Erhaltung und Förderung sonstiger potentieller Nahrungshabitate

Der Strukturreichtum des Lebensraumes, vor allem der Nahrungshabitate, der Störche erfordert einerseits ein Mosaik verschiedener Offenlandbiotope (Feucht- und Naßwiesen, Mähwiesen, Brachen, Äcker) mit dazwischen-liegenden Randbereichen, wie Feldraine, Böschungen u.ä., und andererseits in gewissem Umfang auch Feldgehölze, Gebüsche, Hecken usw. Folgende Maßnahmen sind notwendig:

-

Anlage von Grünlandstreifen an Gewässerufern, die dann kontinuierlich gemäht werden

-

Schaffung eines Netzes von Acker- und Wiesenrandstreifen, die regelmäßig gemäht werden (Einschränkungen, siehe unten *)

-

Neuanlage bzw. Renaturierung von Kleingewässern (Anleitung im nächsten Info-Blatt)

-

Erhaltung eines bestimmten Brachenanteils und gestaffelte Mahd auf diesen Flächen (*)

   

*

Dabei ist zu beachten, daß eine frühe Mahd nicht auf Flächen durchgeführt werden sollte, auf denen die Frühsommerblüte der verschiedensten Wildkräuter gewünscht ist, oder auf denen geschützte Tiere und Pflanzen vorkommen, die beeinträchtigt werden könnten

 

Aktivitäten in Sachsen:

Der Weißstorchschutz hat in Sachsen eine lange Tradition.

Die drei in Sachsen bestehenden Naturschutzinstitute (NSI Region Leipzig, NSI Freiberg und NSI Region Dresden) - als Einrichtungen des Landesverbandes Sachsen e.V. des NABU setzen sich seit ihrer Gründung im Jahr 1993 aktiv für den Schutz des Weißstorches sowie seiner Lebensräume ein.

Als konkrete Maßnahmen sind u.a. zu nennen:

-

Flächenpacht von Wiesen und extensive Bewirtschaftung durch eigene Kräfte

-

lebensraumverbessernde Maßnahmen in Weißstorchbrutgebieten (z.B. Anlage von Kleingewässern, Wiedervernässung von Wiesen u.a.)

-

Mitwirkung beim Aufstellen neuer Nester

-

Kontrolle, Pflege und Sanierung bestehender Nester

-

fachliche Beratung bei Entschärfung von E-Leitungen

All diese Aktivitäten sowie eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit stellen für die Naturschutzinstitute erhebliche finanzielle Belastungen dar. Deshalb sind sie auf Fördermittel und andere finanzielle und materielle Zuwendungen angewiesen und für jede Spende sehr dankbar.

 

Zum Thema Weißstorch liegen weitere Internet-Info-Blätter mit folgendem Inhalt vor:

Nr. 2 : Handlungsschema bei Gefährdungen)

Nr. 3 : Nestträger, Nestunterlagen, Kontrollpodeste (Errichtung, Bauanleitung)

Nr. 4 : Anlegen und Verbessern von Nahrungshabitaten (z.B. Tümpel, Kleinteiche, Feuchtwiesen)

Nr. 5 : Entschärfung von E-Masten, Bau von Schornsteingittern, Nestdrainage

 

Spendeninformation:

Spenden bitte an das Spendendurchlaufkonto der Landeshauptstadt Dresden:

Konto der Landeshauptstadt Dresden

Stadtsparkasse Dresden

Konto-Nr.:

0140 000 130

BLZ:

850 551 42

Verwendungszweck:

NSI Vereins-Nr. 355

Bitte unbedingt Verwendungszweck mit NSI-Vereinsnummer angeben, sonst kann Ihre Spende nicht dem Naturschutzinstitut Dresden als Empfänger zugeordnet werden!

Falls keine Spendenbescheinigung benötigt wird, kann direkt an das Konto des NSI Region Dresden überwiesen werden. Bitte erfragen Sie per E-Mail, Fax oder telefonisch hierzu die Bankdaten.

Internetausgabe
01. 12. 2001

Bearbeiter: G. Becker

AG Naturschutzinstitut Region Dresden

Albertstraße 24

01097 Dresden

E-Mail: nsi-dresden@gmx.de

Homepage: http://www.naturschutzinstitut.de

Fax: 0351-8020034

Tel.: 0351-8020033

Internetausgabe gefördert durch: Arbeitsamt Dresden 2001/2002