Errichtung von Nisthilfen für den Weißstorch

Weißstorch - Informationsblatt Nr.3

(Internetausgabe 5/2002)


Foto: P. Hummitzsch

Im Weißstorchschutz besitzt neben der Lebensraumsicherung bzw. -schaffung die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten besondere Bedeutung. Unter den Bedingungen verstärkter Sanierung von Gebäuden und Schornsteinen sind vorhandene, zumeist ältere Nester gefährdet, so dass die Errichtung von Nisthilfen zur Bestandssicherung beiträgt. Weiterhin fördert diese Maßnahme die Ansiedlung des Weißstorches in bisher storchenfreien Gebieten.

Im vorliegenden Informationsblatt werden langjährige einschlägige Erfahrungen, insbesondere aus der Umgebung von Dresden und aus dem Kreis Riesa-Großenhain allen Interessenten und Weißstorchfreunden vermittelt. Sie umfassen Bauanleitungen einschließlich Materiallisten, Montagehinweise sowie ergänzende Ratschläge. Die Palette der Möglichkeiten ist vielgestaltig entsprechend den örtlichen Gegebenheiten. Dabei spielen die Kosten für die Errichtung, den Erhaltungsaufwand und die Anzahl der Brutpaare im Territorium, aber auch landschaftsästhetische Aspekte eine Rolle. Das Informationsblatt will einerseits dieses breite Spektrum aufzeigen, andererseits Anleitung für konkretes Handeln sein.

1. Anfertigung von Nestunterlagen und Aufbringung von Nistmaterial

Nestunterlage:

- Kreisrundes Metallgitter (Durchmesser möglichst 1,5 m, mindestens jedoch 1,1 m) oder

- Quadratischer Holzrost (Kantenlänge 1,500 m) oder

- Wagenrad (Durchmesser 1,1 - 1,5 m)

Wegen der längeren Haltbarkeit sind kreisrunde Metallgitter aus rostfreiem Material zu bevorzugen.

Das Metallgitter besitzt in der Mitte eine Öffnung zur Befestigung auf dem Mast. Am Außenrand werden im Abstand von 300 mm senkrechte Haltestifte (Länge 150 mm) angebracht.

In das Metallgitter und die Haltestifte wird Reisig eingeflochten (optimal Weide, Besenginster), auf das eine Schicht Kartoffelkraut, Queckenrhizome und Grassoden aufgebracht wird. Diese Auflage ist insbesondere am Außenrand mit wasserbeständiger weißer Farbe (lösungsmittelfrei, umweltfreundlich) zu bespritzen, wodurch eine Lockwirkung auf nestsuchende Störche entsteht.

1.1. Nestunterlage Modell Großenhain

Skizze und Materialaufstellung für Metallgitter-Unterlage:


(Maße in mm)



Skizze nach P. Reuße

1

Umgebender Rand

Bandeisen 40 breit, ca. 5000 lang

2

mittlere Querstreben

mind. Rd. 15 (6 Stück)

3

äußere Querstreben

mind. Rd. 10 (8 Stück)

3

Mittenaufsatz

mind. 300 x 300 Riffelblech

5

Einsteckrohr
(bei Betonmast)

200 lang, Außendurchmesser passend zum Mittelloch im Mast

6

Aufsteckhülse
(bei Holzmast mit
mindestens 150 Durchmesser)

200 lang, Innendurchmesser passend zum Mastdurchmesser

7

Befestigung für Seitenstützen

Bandeisen 40 breit (4 Stück) / mit Loch für Verschraubungen M12

8

Reisighalterungen

Rd. 5 -10, 150 lang

1.2. Nestunterlage Modell Teschner

Stückliste:

Pos.

Stück

Benennung

Material

Bemerkung

1

1

Felge

Fl. 45x6x3440

12 Löcher Ø 12

2

1

Nabe

Ø 132x5x50

unten je 4x10 ausklinken

3

12

Speiche

Rd. 10x710

nach Schweißen 30° hochbiegen

4

1

Abdeckkappe

Bl. 3x270x270, achteckig

achtfach 12x40 ausklinken, biegen, schweißen

5

1

Abdeckscheibe

Bl. 1x Ø 160

12 x ausklinken für Speichen

5.1

1

Dämpfungsplatte

Tfl. PVC 2x Ø 150

Innenloch für Arretierung

6

1

Arretierung

Ø 32x150

 

7

4

Strebe

Fl. 50x8x1000

Abkantlängen: oben 80, unten 120

8

2

Halbe Mastschelle

Fl. 50x8

 

9

1

Betonmast

 

Zapfende Ø 145, Innenloch Ø 40

10

2

Sechskantschraube

M16x70

mit Muttern

1.3. Verbreiterung einer Nestunterlage

Zu kleine Nestunterlagen können durch Anbringen von schräg nach oben ragenden Speichen auf einen Durchmesser von ca. 1500 mm verbreitert werden (siehe folgende Zeichnung). In die Speichen wird Reisig eingeflochten.

Verbreiterung einer Nestunterlage

Pos. 1

1 Stk

Felge

Fl. 8x40x3720

Pos. 2

12 Stk

Speiche

Rd. 10x250


2. Nisthilfen auf Gebäuden

Es gibt mehrere bewährte Vorschläge für Nisthilfen, die das Dach schonen und weitgehend sturmsicher sind.

2.1. Nisthilfe auf dem First

Arten: Dachreiter, Reisigbündel, Wagenrad, Kombination Wagenrad auf Dachreiter

Die bevorzugte Form ist der DACHREITER. Er liegt beiderseitig vom Dachfirst wie ein Sägebock auf den Dachflächen eines Satteldaches auf. Seine beweglichen Schenkel passen sich jedem Dachwinkel an. Dachreiter sind einfach herzustellen und handlich. Sie lassen sich am vorgesehenen Platz aus Einzelstücken zusammensetzen und erleichtern das Umsetzen bei notwendigen Bauarbeiten. Die Schwerpunktlage ist günstig, eine Verankerung mit Gewindebolzen am Firstbalken oder an vom Dachdecker befestigten Tritt- oder Leiterstützen ist ratsam. Weiter kann eine Aussparung der Träger für First-Dachsteine oder ein Unterfüttern der Träger zum Schaffen des Freiraumes erforderlich sein.

Materialliste:

Holz: 4

Träger
3000 x 100 x 100

geeignete Holzarten: Eiche (Löcher müssen vorgebohrt werden!), Lärche, Ulme, Robinie, Kiefer
8 Bretter
1500 x 150 x 25
Kleinteile: 32
2
8
Holzschrauben
Sechskantschrauben
Haltestifte
verzinkt
mit Muttern
Rd. 5 - 10, 150 lang

Montage:
Kompletter Zusammenbau nach Zeichnung. Nach Bedarf sind noch weitere Querbretter zur Stabilisierung zwischen den Trägern (Schenkel) anzubringen. Den Dachreiter (z.B. von einer Hebebühne) auf den Dachfirst setzen, die Schenkel müssen noch beweglich sein. Nach dem Anpassen an den Dachwinkel werden die zwei Schrauben in den Gelenkpunkten mit den dazu passenden Muttern angezogen. Die auf dem Dach liegenden Schenkel werden möglichst noch auf diesem befestigt. Danach wird die Nestunterlage (siehe unter Punkt 1.) zwischen den vier oberen Schenkelenden eingepaßt und mit Aluminiumdraht (rostfrei) auf den oberen Querbrettern des Dachreiters befestigt.

Dachreiter
(Modell NSI Dresden)


Foto: NSI Dresden

2.2. Nisthilfe auf Schornstein

2.2.1. Stillgelegter Schornstein

- Aufbringen eines Metallgitters mit Nistmaterial in der o.g. Form (siehe Punkt 1.) oder
- Aufbringen eines Gummireifens mit Nistmaterial

2.2.2. Betriebener Schornstein


Foto: S. Teschner

Auch auf einem beheizten Schornstein kann eine Nisthilfe errichtet werden, die jedoch mittels Tragstützen einen Abstand von mindestens einem Meter zur Schornsteinoberkante haben muß (Rauchabzug). Unter dem Metallgestell ist eine feuerfeste Platte als Brandschutz für das Nistmaterial anzubringen. Schornsteine in der Nähe von Weißstorchnestern sind mit einem Schutzgitter oder stabförmigen Abweisern zu versehen, um das Hineinstürzen bzw. Landen der Störche zu verhindern.


Foto: S. Teschner

Nisthilfe auf stillgelegtem Schornstein, besteigbar, mit Absicherungsschiene für den Nestbetreuer

 

Nisthilfe auf betriebenem Schornstein

3. Nisthilfe auf Mast

Material: Holz, Beton, Eisenkonstruktion (die Masthöhe soll mindestens 7 m betragen)
Aus landschaftsästhetischer Sicht ist die Errichtung von Nisthilfen auf Gebäuden oder Schornsteinen anzustreben. Ist diese Möglichkeit nicht vorhanden, bildet der Mast eine sehr gute Alternative. Dabei besitzt der Betonmast die größte Lebensdauer; er stellt jedoch ein naturfremdes Element dar und kann Landschaftsästhetisch störend wirken.


Foto: S. Teschner


Foto: A. Körtel

 

Betonmast mit Steighilfe

Holzdreibock

Leitungsmastnest:

Aus Sicherheitsgründen für den Weißstorch und die elektrische Anlage sind keine Nisthilfen auf E-Masten, die stromführende Leitungen tragen, zu errichten. Bei Bauversuchen durch den Weißstorch ist umgehend ein Ersatznest in der Nähe, aber in möglichst ungefährlicher Lage anzubieten (z.B. Mast). Auf dem E-Mast ist ein stabförmiger Abweiser anzubringen, der die Störche an der Landung und damit Fortsetzung der Bauversuche hindert. Bei hartnäckigen Festhalten am Neststandort besteht die Möglichkeit, eine über den Stromleitungen erhöhte Nestunterlage anzubringen. Dies aber nur, wenn andere Ersatznester nicht angenommen werden. In allen diesbezüglichen Fällen ist unverzüglich Verbindung zum zuständigen Energieversorgungsunternehmen herzustellen.

Aufstellen des Mastes:

Der einzugrabende Teil muß ein Sechstel der gesamten Mastlänge betragen, dabei beachten, dass mindestens 7 m Masthöhe übrigbleiben!

Mastbefestigung im Boden:
Beton- und Eisenmast: Einbetonieren in ein Betonrohr: Der Mast wird mit einem Kran oder einer Seilwinde von oben in das eingegrabene Betonrohr eingeführt - der verbleibende Zwischenraum wird mit Beton aufgefüllt.
Holzmast: Verschrauben an eingegrabenen Betonfüßen (wegen der schnellen Bodenverfestigung möglichst schmale Löcher in Handarbeit schachten !)
Zuerst wird der liegende Mast unten zwischen den Betonfüßen verschraubt und über diese Achse aufgerichtet, um dann oben nochmals verschraubt zu werden. 3 m lange Betonfüße werden 1,60 m tief eingegraben, das Erdreich mit einem Rüttelstampfer schichtweise verdichtet. Bei sumpfigem Boden an der Lochoberseite ¼ m3 Beton auffüllen.


Foto: P. Treppe

 

Aufstellen eines Holzmastes mit Nestunterlage

Am Mast sind Vorrichtungen zu seiner Besteigbarkeit (Nestpflege, evtl. Beringung) anzubringen. Bewährt haben sich leiterförmig angeordnete Metallstäbe sowie eine kleine Trittplattform unterhalb der Nestunterlage, von der aus der Betreuer die Arbeiten am Nest durchführen kann. Um unbefugtes Besteigen des Mastes zu verhindern, endet die Steigleiter ca. 3 m über dem Boden (siehe Bauzeichnung).


Skizze nach P. Reuße

Mastbefestigungen:

1

4 Seitenstützen

Winkeleisen L 40x40x1200

2

2 Schellen

Bandeisen (40 breit) mit Befestigung für Seitenstützen

3

1 Aufstiegsleiter

Winkeleisen L 60x60, Sprossen Rd. 15, Sprossenabstand 500,
Verschraubung mit den Schellen

4

1 Seitlicher Auftritt

Schelle mit Winkeleisen 1000 lang,
Riffelblech 500x500 .
Abstand zwischen Nestunterlage und seitlichem Aufrtritt maximal 800 .

Betonmast mit Aufstiegsleiter
(Modell Großenhain)

 

Nisthilfe auf Mast an Stirnseite des Gebäudes:

Der Mast wird direkt am Giebel aufgestellt und mit Schellen an der Giebelwand befestigt (Firstüberragung - Marderschutz).

Vorteile:

- sehr dachschonend

 

- einfach zu besteigen und zu kontrollieren (einfache Pflege)

 

- Marderschutz

 

- kein Einlassen in den Erdboden erforderlich (bei Holz Staunässe am Fuß vermeiden !)

4. Nisthilfe auf Bäumen

Die Errichtung einer Nisthilfe auf Bäumen wird wegen der schwierigen Anbringung und des ständigen Pflegeaufwandes (Zurückschneiden der über den Nestrand ragenden Äste) nur in Ausnahmefällen zweckmäßig sein. Bei der Anbringung der Nestunterlage sind genügend starke, gesunde Äste auszuwählen.

Eine mögliche Variante, da baumschonend und geringeren Aufwand erfordernd, ist das Aufstellen eines Mastes "im Baum", wodurch der Eindruck eines Baumnestes entsteht. Doch auch in diesem Falle ist das Freischneiden von nachwachsenden Ästen außerhalb der Brutsaison notwendig.

In allen Fällen ist eine Mardersicherung in Form einer Draht- oder Blechmanschette (evtl. auch mehrere !) anzubringen.



Foto: P. Reuße

Marderschutz

Baumnest

5. Organisation und Kosten

Zur Planung und Durchführung der dargelegten Weißstorch-Schutzmaßnahmen sollte in jedem Falle eine Abstimmung mit "Weißstorch-Einrichtungen" oder Naturschutzbehörden (siehe Informationsblatt Nr. 2) erfolgen. Von diesen werden Hinweise zu Finanzierung sowie technisch-organisatorischer Ausführung der Vorhaben gegeben. Die Kosten zur Errichtung einer Nisthilfe betragen etwa 750 EURO, wobei sich der Aufwand, insbesondere für Transport und Aufstelltechnik, bei gleichzeitiger Projektierung mehrerer Anlagen erheblich reduziert. Das ist aber nur durch gebietsübergreifende Organisation und Nutzung vorhandener Erfahrungen möglich. Die Finanzmittel sind bei der Unteren Naturschutzbehörde zu beantragen (Eigenanteil beachten !).

Kostenaufschlüsselung (EURO):

200,00

Unterlage mit Steigleiter und Trittplattform

75,00

Reisiggeflecht

150,00

Mast (Holz)

75,00

Betonfüße (2)

35,00

Beton (0,25 m3)

15,00

Kleinmaterial für Montage

200,00

Transport und Montage (stark abhängig von der Anzahl der in einem Arbeitsgang zu errichtenden Nisthilfen)

Ein wichtiges Ziel dieses Informationsblattes besteht auch darin, Anregungen für die Beobachtung aller diesbezüglichen Vorgänge (z.B. Nestkämpfe, Bauversuche auf Elektromasten, Fremdstoffe in Nestern, Baumängel an Nisthilfen) zu geben, aus denen sich Hinweise an die zuständigen Stellen ableiten.

Zum Thema Weißstorch sind diese Informationsblätter bereits erschienen:

Nr. 1:

Der Weißstorch braucht unsere Hilfe!)

Nr. 2:

Wie dem Storch helfen? Handlungsanleitung für den Weißstorchschutz

Nr. 4:

Anlegen und Verbessern von Nahrungshabitaten (z.B. Tümpel, Kleinteiche, Feuchtwiesen)

Nr. 5:

Weißstorchschutz an Elektroanlagen und Nestpflege

Spendeninformation:

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Konto der Landeshauptstadt Dresden

Stadtsparkasse Dresden

Konto-Nr.:

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BLZ:

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Verwendungszweck:

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Bitte unbedingt Verwendungszweck mit NSI-Vereinsnummer angeben, sonst kann Ihre Spende nicht dem Naturschutzinstitut Dresden als Empfänger zugeordnet werden!

Falls keine Spendenbescheinigung benötigt wird, kann direkt an das Konto des NSI Region Dresden überwiesen werden. Bitte erfragen Sie per E-Mail, Fax oder telefonisch hierzu die Bankdaten.

Die Erarbeitung dieses Informationsblattes erfolgte

mit Unterstützung der


Internetausgabe
23. 05. 2001
aktualisiert 19. 06. 2003

Bearbeiter: G. Becker

AG Naturschutzinstitut Region Dresden

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01097 Dresden

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