Biotopkartierung auf dem Südwest-Kirchhof Stahnsdorf bei Berlin

Neben Untersuchungen zur Auswirkung von Windkraftanlagen, Biotopkartie-
rungen für Bebauungspläne, naturschutzfachlichen Gutachten, FFH-Verträg-
lichkeitsuntersuchungen, der Untersuchung der Wirksamkeit von Ausgleichs-
maßnahmen, der Erfassung gebäudebewohnender Tierarten usw. wurde das Naturschutzinstitut Leipzig im Jahr 2002 mit einer Aufgabe beauftragt, die neu-
artig war und verwundern mag: der Biotopkartierung eines der drei größten Friedhöfe Deutschlands, des Südwest-Kirchofs Stahnsdorf bei Berlin. Hier ist unter anderen auch das Grab des Nestors des Naturschutzes in Deutschland, Hugo Conwentz (1855–1922), zu finden.
Für diesen Friedhof sollte ein Nutzungskonzept erarbeitet werden, in dem die Belange der Friedhofsnutzung selbst, aber auch der Denkmal- und Parkpflege sowie des Naturschutzes aufeinander abgestimmt sind. Die Anlage umfasst 206 Hektar, von denen etwa 150 Hektar vorwiegend nach der sehr anspruchs-
vollen Waldbiotop-Kartieranleitung Brandenburgs aufzunehmen waren. In Ab-
stimmung mit einem Brandenburger Spezialisten musste ein modifizierter Er-
fassungsbogen erstellt werden.
Überraschend war der Struktur- und Artenreichtum der dortigen Waldbestände, in welche die Grabstellen integriert sind. In den 1902 aufgekauften Kiefern- und Bauernwald ist forstlich nur in Randbereichen eingegriffen worden. Aller-
dings wurden in die über 300 Grabblöcke verschiedenste „exotische“ Baumar-
ten (von Coloradotanne bis Fächerahorn) eingebracht, so dass bei der Gehölz-
bestimmung manchmal auch der „Rothmaler“ nicht zum Ziel führte. Außer den Waldbiotopen waren in Teilbereichen besonders geschützte Trockenrasen und Zwergstrauchheiden zu kartieren. Die Untersuchungen des Instituts ha-
ben bestätigt, dass Friedhöfe auch aus Naturschutzsicht hochinteressant sein können. Darüber hinaus bestand der Nutzen dieser Arbeit vor allem darin, zum Erhalt lokal wertvoller Naturbereiche in Brandenburg beizutragen.


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